Die bisherige Resonanz im Social Web auf das in Erscheinungtreten des Österreichischen Internetrats in Form eines unfertigen Weblogs und dementsprechend offener Fragen war beachtlich und inhaltlich divergent. Zwischen Zuneigung und Ablehnung bot sich ein breites Spektrum an Reaktionen in unterschiedlichen Medien:
Von der “Empfehlung zur Beschäftigung mit dem Thema” über kritisches Hinterfragen bis hin zu unterschiedlichsten Herabwürdigungen findet sich etwa im Kommentarbereich zum Artikel der Orf Futurezone vom 07.06.2009 ein reichhaltiges Reaktionenkonvolut. Stellenweise wird nach der Legitimation des Vereins gefragt, anderenorts nach der Definition von “Rat” oder woher sich der Internetrat das Recht herausnehmen würde, über andere zu bestimmen.
Ein Blogbeitrag von Markus Hochholdinger beschreibt den Österreichischen Internetrat gar als “Precrime” und als “massenpsychologisches Experiment”.
Hans Christian Voigt findet klare Worte und bezeichnet den Internetrat u.a. als Sittenwächter. (edit 10.06.09 hdvorak)
In der Twitter Community wird fleißig retweetet, unfollowed, geblockt, beschwert (z.B. bzgl. Kürzelentwendung des ÖIR – Österreichischen Instituts für Raumplanung) oder Aktionen des Internetrats kommentiert (z.B. [...] kuscht auch vor der almighty #krone nicht [...]).
Auf Facebook wird bewertet, nachgefragt, sich als Mitarbeiter beworben (z.B. Zensor) oder im Diskussionsforum ausgeschwiegen.
Soviel zum kurz zusammengefassten und stark vereinfachten Status Quo der Kritiken. Fragen nach Definitionen oder wer wen wann zu was legitimiert sind gut, decken aber auch gleichzeitig andere, zumindest gleichwichtige Möglichkeiten für den Aufmerksamkeitsfokus zu. (Und abrundend, aber nicht abschließend zur Frage der Legitimation aus der Feder des Vorstands: Der Österreichische Internetrat “wird legitimiert durch die Auseinandersetzung anderer mit dem Österreichischen Internetrat als ein solcher.”) Einige zusätzliche Impulse sollen hier im Anschluss, die bisherige Kritik ergänzend, kurz vorgestellt werden:
- Der Österreichische Internetrat tritt als selbstetablierte, stark normierende Instanz im Social Web auf. Er etabliert Regeln wie und in welcher Form man mit ihm zu kommunizieren hat (z.B. “Eingabe”-Formular). Es werden vom Internetrat Verhaltensregeln aufgestellt, die von ihm angepasst werden können und denen sich anderen zu unterwerfen haben.
- Der Internetrat macht sich zur Aufgabe die Selbstkontrolle zu fördern, indem er selbst kontrolliert, aufdeckt und als Strafmaßnahme Verweise erteilt.
- Der Internetrat beschreibt sich als “bei der Bildung seiner Meinung frei und nicht an Weisungen oder Einflussnahmen gebunden” – was gleichsam bedeutet, auch an “Eingaben” nicht gebunden zu sein.
- Es wird vom “ethischen Wertesystem der Internet-Gesellschaft” geschrieben aber nicht vielleicht doch nur das Ethikverständnis einiger weniger Ratsmitglieder gemeint? (siehe auch Definitionsmacht, unten)
- Es gibt offenbar ein formales Prüfungsverfahren, dessen Form sich den Beobachtern bisher nicht nachvollziehbar erschließt.
- Es werden hinterfragungswürdige Kriterien eingeführt wie “äußerste Grenze des Statthaften” oder “besonders krasse Ethikverstöße”.
- Der Internetrat beansprucht die Definitionsmacht von “ethisch” und “unethisch”.
(Quelle: Aufgaben des Internetrats)
Die bisher geschilderte Kritik zum Internetrat und die ergänzende Auflistung unterliegt keiner Vollständigkeit. Anmerkungen und Ergänzungen seitens der Leserschaft sind ausdrücklich erwünscht – der Kommentarbereich ist freigeschaltet, sodass Kommentare sofort veröffentlicht werden.
Tags: Internetrat, Kritik, Legitimation, Reaktionen, Regeln, Resonanz, Status Quo
Ein Kommentar zu “Fokus: Kritik am Internetrat”
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Thomas Lohninger beschreibt in einem Blogartikel seine Eindrücke vom Barcamp Vienna und geht auf Internetrat und Onlinerat ein. Er bezeichnet den Internetrat als Parodie und den Onlinerat als Parodie zur Parodie.